Viele Kinder haben nur ein einziges T-Shirt

Simone Denell arbeitete in einem afrikanischen Waisenhaus

Von Karen Adamski

Kurz vor dem Ziel kamen die Zweifel. Sieben Wochen lang wollte Simone Denell in einem Waisenhaus in Togo bleiben – mitten im afrikanischen Busch, 70 Kilometer von der Hauptstadt entfernt und nur über holprige Sandwege zu erreichen. Die letzten Kilometer brachte sie ein Jeep, weil andere Fahrzeuge die Wege kaum bewältigen konnten. „Da habe ich mich dann gefragt: Wie komme ich hier weg, wenn was passiert?“ Die Sorge war unbegründet. Simone Denell blieb tatsächlich sieben Wochen – eine Zeit, an die sie sich gerne erinnert.

Hilfe vom Bremer Verein

Das Waisenhaus, in dem die frischgebackene Betriebswirtin arbeitete, wird von dem Bremer Verein „Lebenschance“ finanziert. Vor einigen Jahren gründeten die Mitglieder die Einrichtung, um den zahlreichen Waisen in der extrem armen Region Badja zumindest eine Schulbildung zu ermöglichen. Heute leben dort 75 Kinder. Für Simone Denell war das Waisenhaus der richtige Ort, um das zu verwirklichen, was sie ihren „afrikanischen Traum“ nennt. „Mein Vater war beruflich viel in Afrika“, erzählt die gebürtige Worpswederin. „Deshalb wollte ich schon lange das echte afrikanische Leben kennen lernen.“

Nach dem Diplom entdeckte sie zufällig einen Zeitungsartikel über das „Lebenschance“-Projekt. Sie rief den Vereinsvorsitzenden an und verabredete sich mit ihm. „Und dann ging es irgendwie ganz schnell. “ Ende Januar bekam sie ihre Diplomurkunde, am 3. Februar saß sie im Flugzeug nach Togo. Bis dahin fühlte sie sich gut vorbereitet. Keine Frage – am Ziel würde sie ein ganz einfaches Leben erwarten. Kein Telefon, kein Internetanschluss, kein Luxus. „Aber dann ist man doch erst mal erschrocken, wie arm die Menschen wirklich sind.“

Kein Strom, kein Wasser

Strom und Wasser gibt es in denn Dörfchen nicht, Trinkwasser wird einmal in der Woche aus einem nahe gelegenen Fluss geholt. Es gibt nur wenige Toiletten und. kaum ausreichend Platz zum Schlafen, „Viele Kinder haben nur ein einziges T-Shirt, dass sie die ganze Woche tragen“, erzählt Simone Denell. Um wenigstens dieses Problem aus der Welt zu schaffen, will sie nun Kinderkleidung sammeln und nach Togo schicken.

Trotz der Armut gewöhnte Simone Denell sich schnell an den Alltag im Waisenhaus. Sie spielte mit den Kindern Fußball und malte mit ihnen Bilder, die sie in den Klassenzimmern aufhängte. Sie half im Französischunterricht, gab Nachhilfe oder sang mit den Kindern. „Dabei merkt man, wie gutes ihnen trotz allem geht“, sogt sie. Bei aller Einfachheit sei das Leben in Badja erstaunlich gut organisiert.

Vier Klassenzimmer

Trotzdem: „Ohne das Waisenhaus hätten die Kinder wahrscheinlich kein Dach über dem Kopf und könnten nicht zur Schule gehen“, sagt sie. „So kriegen sie drei Mahlzeiten am Tag und haben jemanden, der sich um sie kümmert.“ Finanziert wird das Heim mit den Spenden, die der Verein sammelt. In den vergangenen Jahren haben die Bremer viel erreicht: Unterrichtet wird inzwischen in vier aus Stein gemauerten Klassenräumen, die mit Fensterläden gegen den Sturm geschützt sind. Zuletzt ist eine neue Küche gebaut worden. Nun sollen zusätzliche Schlafräume und neue Toiletten entstehen.

Vielleicht wird Simone Denell die Fortschritte irgendwann selbst begutachten können. „Ich denke viel an die Kinder“, erklärt sie, „deshalb möchte ich unbedingt noch mal hinfahren.“ Wer sich für die Arbeit des Vereins „Lebenschance“ interessiert und Geld oder Kinderkleidung spenden möchte, findet auf der Internetseite www.togo-hilfe.de Informationen und Ansprechpartner.