Verein fördert Schulbildung für Waisen

Selbsthilfeprojekt in Togo benötigt noch Unterstützung / 1000 Mark im Monat für laufende Kosten

Von unserer Mitarbeiterin Kerstin Schnaars

Eine Schulpflicht besteht in Togo bis zur 6. Klasse. Trotzdem war es nicht selbstverständlich, dass Kossi und Sao Goumenou eingeschult wurden. Nicht, dass sie keine Lust gehabt hätten. Aber es gab keine Schule, in die sie hätten gehen können. Auf dem Land ist der Weg zur Schule in der nächsten Stadt oft zu weit, um die Strecke zu Fuß zu laufen. Das traf auch auf Kossi und Yao zu, die in der Gegend um den Ort Badja leben, 60 Kilometer von Lome, der Hauptstadt Togos, entfernt.

Dass beide nun doch die Schulbank drücken können, haben sie der Initiative von Roger Sodji zu verdanken. Der seit 1987 in Deutschland lebende Togoer gründete vor Ort die Selbsthilfeorganisation „Association Mieux Etre Pour Tous“, die es sich unter dem Motto „Mehr Lebensqualität für alle“ zur Aufgabe gemacht hat, die Bedingungen der Einheimischen zu verbessern.

1995 kaufte Sodji 50 Hektar brachliegendes Land – das war die Grundlage für sein Projekt. In Eigenarbeit der Einheimischen und mit Hilfe von privaten Spenden gelang es, ein Schulgebäude mit drei Gassenräumen zu errichten. „Wir betreuen dort Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren, die keine Schulbildung haben. Sechs Klassen sollen es einmal werden“,, erzählt Sodji. Auf dem Gelände entstand zusätzlich ein Waisenhaus. Die 45 Kinder, die hier ein neues Zuhause gefunden haben besuchen heute gemeinsam mit den Kindern der Umgebung die Schule.

Nicht nur Schulkinder, sondern auch junge Erwachsene werden von der „Association Mieux Etre Pour Tous “ unterstützt. Sie erhalten ehre Ausbildung zur Bürofachkraft. Gelernt wird an gespendeten elektronischen Schreibmaschinen. Auf die Absolventen des Jahres 2000 ist Roger Sodji besonders stolz: „Sie sind die ersten, die diese Ausbildung gemacht haben, und fast alle fanden eine Anstellung.“

Um Hilfe aus Deutschland zu ermöglichen und den Fortbestand des Projekts zu sichern, gründete sich im Sommer dieses Jahres der Verein „Lebenschance“, der eng mit der Selbsthilfeorganisation Sodjis in Togo zusammenarbeitet. Gemeinsam soll eine Politik der kleinen Schritte verfolgt werden, denn es mangelt nicht nur an der Schulbildung. Die Probleme, die Sodji aufzählt, sind vielfältig: „Wir müssen auch das Land urbar machen, um Landwirtschaft zu ermöglichen. Landwirtschaft bringt Arbeit und Bildung, eines kommt zum anderen. “ Obgleich das Landesamt für Entwicklungszusammenarbeit bereits finanzielle Hilfe mit einem einmaligen Betrag zugesagt hat, sucht der Verein weitere Unterstützung. Neben den laufenden Kosten von rund 1.000 Mark im Monat, von denen die Lehrer, Mieten und der Unterhalt der Waisenkinder bezahlt werden, sind weitere Investitionen notwendig. Es sollen neue Klassenräume und weitere Häuser für die Waisenkinder entstehen Jeweils rund 3.000 Mark kostet ein solches Haus.

Wer Geld spenden oder dem Verein Lebenschance beitreten möchte, um das Projekt zu unterstützen, kann sich unter Telefon 413484 an Roger Sodji wenden. Informationen sind auch erhältlich beim Honorarkonsulat von Togo, Martinistr. 29, 28 195 Bremen, Telefon 3691194.