Überleben im "weißen Dorf"

Bremer Verein Lebenschance unterstützt 150 Waisenkinder in Togo

Von Rose Gerdts-Schiffler

BREMEN. Yovokope, weißes Dorf, nennen die Togoer die kleine Siedlung in der Nähe von Lomé. Rund 150 Kinder leben in dem Dorf. Sie haben ihre Eltern durch Malaria oder Aids verloren, aber dennoch vergleichsweise Glück: Dank der Unterstützung des Bremer Vereins „Lebenschance“ und Helfern vor Ort werden sie medizinisch versorgt, ernährt und ausgebildet.

Bereits Mitte der 90er Jahre hatte Roger Sodji, ein gläubiger Katholik aus Togo, der viele Jahre in Bremen lebte, 50 Hektar Land in seiner Heimat erworben. Sodji wuchs als Kind in ärmlichen Verhältnissen bei Verwandten auf. Seine Vergangenheit hat ihn nie losgelassen. So entstand eines Tages der Wunsch, mit der eigenen Familie aus Bremen zurück nach Togo zu gehen, um dort ein Dorf für Waisenkinder aufzubauen.

In Bremen hatte Sodji zufällig die pensionierte Verwaltungswirtin Sigrid Stiering kennen gelernt. Im Jahr 2000 gründeten Togoer und Bremer den Verein Lebenschance, um das Kinderprojekt voranzubringen. Vor Ort schloss sich Sodji schließlich mit der Nichtregierungsorganisation „Association mieux etre pour tous“ zusammen. Ein Jahr später startete das Projekt mit 20 Kindern. „Inzwischen leben rund 150 Jungen und Mädchen bei uns“, berichtet Sigrid Stiering, die erste Vorsitzende des Vereins „Lebenschance“.

Die Bedingungen im Darf sind hart. Es gibt dort keinen Strom und kein, für europäische Verhältnisse, sauberes Wasser. Betreuer und Kinder müssen auf Regenwasser zurückgreifen, das in Zisternen aufbewahrt wird. Die Waisen sind in drei großen Schlafsälen untergebracht und erhalten am Tag drei Mahlzeiten, die Stiering „als typisch für die Region, aber leider wenig ausgewogen“ bezeichnet.

Doch die Kleinen werden medizinisch von der eigens angestellten Krankenschwester betreut, erhalten Schulunterricht und lernen landwirtschaftliche Grundfertigkeiten. Damit haben sie eine bessere Startchance als viele Kinder der Umgebung, die bei ihren Eltern in den Dörfern leben. Die älteren Jugendlichen des Projekts können sich in der Hauptstadt Lomé zu Sekretärinnen oder Zöllnern ausbilden lassen. Inzwischen hat das Dorf einen so guten Ruf, dass die Dorfbewohner elternlose Kinder von weit her bringen. Ohne die Hilfe von Yovo Kope müssten sie auf der Straße leben oder sterben.

Jedes Jahr fährt ein Mitglied des Bremer Vereins nach Togo, um zu sehen, was mit den gespendeten Geldern aus Bremen in Yovo Kope geschieht. „Natürlich auf eigene Kosten“, wie Sigrid Stiering betont. Während ihres dreiwöchigen Besuches machte die Hitze nicht nur ihr, sondern sogar den Afrikanern zu schaffen. Stiering: „Alles braucht dort mehr Zeit als hier.“
So wurde ihr Vorschlag, die 60 Ziegen des Dorfes in ein eingezäuntes Terrain zu verbannen, damit sie sich nicht ständig im Gemüsegarten satt fressen und den Kindern damit wertvolle Vitamine verloren gehen, zwar positiv aufgenommen. „Aber es wird noch einige Monate dauern, bis das umgesetzt worden ist“, sagt die Pensionärin.

Herz und Motor des Hilfsprojektes in Togo ist weiterhin Roger Sodji. In Bremen sind es engagierte Bürger und Bürgerinnen, die das Dorf mit ihren Spenden am Leben halten. Die Waisenkinder von Yovo Kope können nicht nur Geld gebrauchen, sondern auch Sachspenden. „Schulhefte, Stifte und Papier sind in Togo sehr teuer“, weiß Sigrid Stiering, Gerne nimmt der Verein auch einfache Spiele wie Memory, Dame oder Springseile. Zudem werden gut erhaltene Sommerkleidung für Kinder sowie französischsprachige Kinderbücher benötigt, Und damit die Sachspenden auch verpackt werden können, hat der Verein einen schier unerschöpflichen Bedarf an alten Koffern.

Kontakt: Sigrid Stiering, Telefon 513661, E-Mail: rstiering@nord-com.net