Tausende Schritte für gute Zwecke

 

Schulen im Bremer Süden laufen in Grolland, Huchting und am Werdersee für gute Zwecke

VON EDWIN PLATT

Grolland. Bei diesem Rennen ging es nicht nur darum, wer am schnellsten läuft. Denn jeder Kilometer brachte auch ein bisschen mehr Geld mit sich, für den guten Zweck, darunter ein Waisenhaus in Togo. Dafür starteten bereits zum dritten Mal fast alle der 200 Schüler der Grundschule Grolland. Los ging es nach dem Unterricht und vor dem Schulfest, das im Anschluss gemeinsam mit dem TSV Grolland gefeiert wurde.

Jede Laufrunde auf dem Ochtumdeich, der am Schulgelände hegt, ist etwa zweieinhalb Kilometer lang. Wichtig zu wissen, lautet doch eine wesentliche Regel des Benefizlaufs, dass für jeden gelaufenen Kilometer einer Schülerin oder eines Schülers der vorher vereinbarte Spender einen fest vereinbarten Betrag spendet. Meist, aber nicht nur, übernahmen das Eltern oder andere Verwandte.

Viele Eltern engagieren sich auch über das Finanzielle hinaus für das Benefiz- und Sportereignis, zum Beispiel in Sachen Orga: So betreuen Eltern zum Beispiel die Stempelstationen, an denen die gelaufenen Kilometer quittiert werden, oder die Erfrischungstische mit Wasser und gespendetem Obst vom Fruchthof. Manche schneiden und schälen Äpfel oder portionieren Bananen. Wieder andere rechnen, und stellen die Laufergebnisse für die einzelnen Schulklassen zusammen. Viele Mütter haben auch Kuchen für das Buffet beigesteuert. Der Spätsommertag macht mit seinem Mix aus Sonne und frischem Wind auch das Grillen möglich. Den Grill für das Schulfest heizen einige helfende Väter vor.

Frauke Logemann-Bartels sitzt hinter einem Tisch und hat vor sich eine große Karte von Togo ausgebreitet. Daneben hegt Informationsmaterial über den Verein Togo-Hüfe Lebenschance und dessen Projekte. „Ich wurde hier 1977 eingeschult. Henrik, mein Großer ging hier zur Schule, ist jetzt 17. Und auch Hauke läuft mit. Er geht in die Dritte.“ Die Grundschule ist schon seit vielen Jahren in Sachen Hilfen für Togo engagiert. Wie viele, das kann sie nicht sagen. Logemann-Bartels selbst sei erst seit zwei Jahren aktives Vereinsmitglied, sagt sie. Sie freue sich, dass der Verein, vertreten von der Vorsitzenden wieder zum Austausch nach Togo und in das Kinderwaisendorf Yovokopé, 70 km nördlich der Atlantik-Küstenstadt Lomé, reisen kann. Der Beginn des Engagements kam auch vom Togoer Roger Sodji, der einige Jahre lang in Bremen lebte und arbeitete, für seine Heimat und die Unterstützung von Waisenkindern warb, und zurück nach Togo ging.

Die Spenden, die der Verein sammelt, gingen heute in die Malariabekämpfung, berichtet Logemann-Bartels. „Wir unterhalten das Kinderwaisendorf mit 500 Kindern zwischen fünf und 18 Jahren. Nach zwei Ernteausfällen wird es nun eine Ernte aus der durch Spendengelder finanzierten Mais Saat geben. Die Waisenkinder gehen zur Schule und können auch ein Abitur machen.“ Logemann-Bartels zeigt sich begeistert, wenn sie darüber spricht, wie sich Dinge durch Engagement verändern können. Ein Kind, das zur Schule gehen und sogar Abitur machen könne, sei hier keine Nachricht wert. In Afrika hingegen werde einem Waisenkind, dem auf der Straße nur der Lebenserhalt durch Betteln oder Stehlen, ohne Gesundheitsversorgung bleiben würde, so eine reelle Chance auf eine etablierte Zukunft geboten. Solche Chancen biete der Verein hunderten, sagt Logemann-Bartels. „Nach der Schule im Waisendorf können die Kinder in einer nahen Krankenstation einen Pflegeberuf erlernen“, sagt sie. Sie könnten nach Lomé gehen und dort Betriebswirtschaft oder Buchhaltung lernen. „Beim Waisendorf können sie Tischler, Lackierer oder Näher werden, und sie brauchen kein Schulgeld zu zahlen, wie es sonst in Togo üblich ist. „

„Wir werden dieses Jahr durch die Maisernte Einnahmen haben und können, dank eins großzügigen Spenders und einer Photovoltaikanlage nun auch abends arbeiten, denn um sechs ist es dunkel in Togo“, erklärt Logemann-Bartels. Der Verein Togo-Hilfe Lebenschance darf wie bei den vorangegangenen Benefizläufen auf Spenden in Höhe von 10.000 Euro hoffen, Geld das nach Vereinsangaben für vier Monate reicht. Und dafür setzten sich an jenem Freitag auch die Schüler in Grolland ein, strengen sich an, Schritt für Schritt, Runde für Runde.

Am Mittwochvormittag starteten auch Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Huchting, um sich in ähnlicher Form zu engagieren und ebenfalls Spenden zu erlaufen. Ein Großteil davon ist nach Schulleitungsangeben ebenfalls für den Verein Lebenschance bestimmt. Darüber hinaus sollen die Schüler selbst bestimmen, wo die Spenden landen sollen.

Auch der traditionelle Sponsorenlauf der Freien Evangelischen Bekenntnisschule Bremen um den Werdersee am Freitag fand großen Anklang. Dort nahmen rund 1500 Schülerinnen und Schüler, Eltern und Ehemalige teil. Sie setzten sich damit für ihre Partnerschule Antioquia in Peru ein – allerdings nicht nur laufend, sondern auch radelnd und sogar rudernd.

Interessierte erreichen den Verein Togo-Hilfe Lebenschance unter kontakt@togo-hilfe. de, oder per Post an Sigrid Stiering, Parkallee 79, 28209 Bremen. Das Streichorchester der Grundschule Grolland ist am 16. September ab 14 Uhr bei der „Hanse Life“ zu hören.