Schaukel war eine gute Idee

Die junge Bremerin Philine Pittner half vier Wochen in einer Schule in Togo

Von unserer Redakteurin Margeritha Gries

Nur vier Wochen war sie in Togo. Aber die junge Bremerin Philine Pittner hat dort bleibende Spuren hinterlassen. Spuren, auf die sich die Kinder einer von Bremern unterstützten Schule in der Region Badja jeden Tag wieder begeistert begeben. Denn was die 20-jährige Studentin den Kindern mitgebracht hatte, war eine gute Idee: Sie baute eine große Autoreifen-Schaukel.

Seit seiner Fertigstellung steht das für die dortigen Kinder völlig neue Spielgerät selten still. „Es war sehr bewegend zu sehen, wie sie erst neugierig, dann ängstlich und dann einfach glücklich waren“ erzählt Philine Pittner, „die Schaukel wurde zum Symbol für Lebensfreude. “ Sie war wirklich froh, dass sie so gut aufgepasst hatte, als ihr Vater einst mit wenigen Mitteln eine ähnliche Schaukel für seine Kinder in Bremen gebaut hatte. Die gekreuzten Trägerelemente wurden solide einbetoniert. „Und an Material brauchten wir ja nur fünf Baumstämme, Seile und Autoreifen.“

Die junge Bremerin hat in Togo mit den Kindern in einem einfachen Steinhaus ohne fließendes Wasser gelebt, und auf harten Matten geschlafen. „Ich liebe Kinder, will Grundschullehrerin werden und wollte schon immer einmal nach Afrika“. Dass sich dieser Wunsch nun erfüllte und sie als Praktikantin nach Togo gehen konnte, verdankt sie dem Verein Lebenschance. Er wurde, wie berichtet, im vergangenen Jahr von dem in Bremen lebenden Togolesen Roger Sodji und seiner Frau Adele sowie einer Reihe engagierter Bremer gegründet.

Ziel des Bremer Vereins ist die Unterstützung eines Projekts, dass Roger Sodji in seiner Heimat ins Leben rief: In der Region Badja, nördlich von Lome, baute er eine Schule für rund 50 Waisenkinder, von denen etwa 20 auch in der Schule leben und betreut werden. Träger ist die ebenfalls von Sodji gegründete „Association Mieux Etre Pour Tous“ (Mehr Lebensqualität für alle).

In Togo gibt es eine Schulpflicht, erläutert Sigrid Stiering vom Vorstand des Bremer Fördervereins Lebenschance, aber viele Familien können das Schulgeld nicht bezahlen. Der Unterricht in der Schule in Badja kostet nichts – und doch kommen manche Kinder nicht jeden Tag. „Die Schulwege sind weit“, sagte Philine Pittner, „und die Kinder sind oft vor Hunger so entkräftet, dass sie ihn nicht schaffen.“

So gehört es zu den Zielen von Roger Sodji, auf Dauer zumindest eine tägliche Schulspeisung für alle anzubieten. Die 30 auswärtigen Schüler dürfen bisher nur einmal in der Woche zulangen.

Was wäre dafür nötig? Nur ein ganz klein wenig Geld. Denn in Togo bringen selbst kleine Spenden schon Segen. Lehrer, Hausmeister und Pflegekräfte arbeiten für ein Monats-Gehalt von umgerechnet je 46 Euro, die Verpflegung der 20 rund um die Uhr betreuten Kinder kostet monatlich 76 Euro. „Wenn es auch für die anderen täglich Essen gäbe, dann wäre der Anreiz größer, trotz Ermattung und weiter Wege zur Schule zu kommen“, meint Philine Pittner.

Lernen lohnt sich – das wissen die 20 jungen Togolesen, die in einem zweiten von Sodji gegründeten Projekt betreut werden. In einem Ausbildungsbüro der Hauptstadt Lome machen Lehrer sie für die Tätigkeit als Sekretärin oder Zollarbeiter fit. „Nach der einjährigen Ausbildung mit Diplom bekommen alle sofort eine Stelle. “ Die Bremer Helfer staunen immer wieder, wie viel in Togo mit wenig Geld zu machen ist. Für beide Projekte sind monatlich nur 600 Euro nötig. Und der Bau des dringend nötigen zweiten Schulgebäudes wäre zum Beispiel mit ein- bis zweitausend Euro möglich.

So viel wird noch gebraucht. „Am dringendsten ein Trecker, damit die Arbeiten auf dem 50 Hektar großen Gelände rund um die Schule fortgesetzt werden können. Der alte ist kaputt gegangen. “ Das Land wird gerodet und urbar gemacht, damit – nicht zuletzt zur Versorgung der Kinder – Mais und Maniok angeplanzt werden können. Dieses Projekt ermöglichte das Bremer Landesamt für Entwicklungszusammenarbeit mit einer Zuwendung von 2500 Euro. Brunnen würden helfen, die bisher katastrophale Trinkwasserversorgung zu verbessern.

Danke heißt in der Ewe-Sprache: Apke. Das hat die junge Bremerin Philine gelernt. Deshalb nun das Wichtigste: Wer helfen will, kann es selbst schon mit einer kleinen Spende tun. Der Verein Lebenschance hat die Kontonummer 2022242 bei der Deutschen Bank, Bankleitzahl: 29070024. Außerdem sind auch Sachspenden willkommen: Kinderkleidung, Spielzeug, Handtücher, Hefte, Bleistifte, Malpapier und Buntstifte sowie Büromaterialien und gebrauchte Computer fürs Ausbildungsbüro. Und, wie gesagt: ein Traktor, gern gebraucht. Per Container und Schiff werden die Spenden dann nach Togo gebracht. Alles Nähere bei Konsulats-Mitarbeiterin Ina Machewitz, Telefon 369 11 94.