Hilfe aus Bremen für 300 Waisen in Togo

 

Anton Brinkhege baut Solaranlage im afrikanischen Kinderdorf / Hansestädter unterstützen Verein Lebenschance

VON BRITTA SCHLESSELMANN

Bremen. Mit 50 Jahren hatte Anton Brinkhege viel erreicht. Er war stolz auf seine vier Kinder und führte seit 25 Jahren erfolgreich das Hotel Schaper-Siedenburg in der Bremer Innenstadt. „Aber ich wollte noch einmal etwas Neues in meinem Leben machen“, sagt er. Durch Zufall erfuhr er von dem Verein Lebenschance, der in Togo Waisenkinder unterstützt. Spontan beschloss er, im Verein zu helfen.

Beim Besuch des einsam gelegenen Waisenkinderdorfs fielen Brinkhege sofort Schwachstellen in der Infrastruktur auf. Weil es keinen Strom gab, kam der Bremer auf die Idee, eine Solaranlage auf die Dächer zu bauen. „Die Schwierigkeit bestand allerdings darin, jemanden zu finden, der das in Afrika macht. „ Er fand eine Firma im Nachbarland Ghana, fuhr hin, kaufte mit eigenem Geld eine Solaranlage und sorgte für den Aufbau.

„Für die Kinder war das toll, sie mussten keine Angst mehr haben, nachts im Dunkeln auf die Toilette zu gehen“, sagt Brinkhege schmunzelnd. Ein großer Fortschritt sei natürlich auch ein Kühlschrank für Lebensmittel und Medikamente. Der Bremer Hotelier genießt das Gefühl zu helfen. Aber es kämen auch Abenteuerlust hinzu und der Spaß daran, etwas zu bauen.

Kinder schleppen Wasserkanister

Das nächste Projekt könnte eine solarbetriebene Wasserpumpe sein, die das Wasser direkt aus einem See in das wenige hundert Meter entfernte Dorf bringen soll. Derzeit transportieren die Kinder das Wasser in schweren Kanistern. Es wird unter anderem zur Bewässerung von Gemüsefeldern und zum Waschen benötigt. Für die Trinkwasserversorgung gibt es zwar einen Brunnen, doch der ist fast vollständig versandet.

Nun sammelt der Verein Geld für eine weitere Bohrung. Außerdem wird Geld für landwirtschaftliche Flächen benötigt, auf denen Orangen- und Mangobäume gepflanzt werden sollen. Irgendwann soll sich das Dorf komplett selbst versorgen, das ist das Ziel. Zur Hälfte gelingt das schon jetzt.

Gegründet wurde das Waisenkinderdorf 2004 von dem Togoer Roger Sodji. Er hat mehrere Jahre in Bremen gelebt und viele Kontakte zu Bremern geknüpft, die bis heute in dem Verein Lebenschance mitarbeiten. Roger ist für die Kinder zu einer Art Vater geworden. Am Anfang waren es 50 Jungen und Mädchen, die in dem Waisendorf wohnten. Inzwischen haben hier 300 Kinder ein Zuhause gefunden.

Die Waisen leben in altersgemischten Wohngruppen, in denen sich die Älteren um die Jüngeren kümmern. Sie schlafen auf Strohmatten, Spielzeug haben sie nicht. Doch die Kinder vermittelten nicht das Gefühl, dass sie etwas vermissten, sagt Brinkhege. „Sie waren alle satt, fröhlich, haben Spielsachen gebastelt oder Fußball gespielt.“ Eigenen Besitz gibt es nicht, in einer Plastiktüte wird die Sonntagskleidung auf bewahrt. Der Sonntagsgottesdienst ist Höhepunkt der Woche – mit „Meditation, Beten, Chor und Lebensfreude“. Dort vermittele „Vater“ Roger den Waisen, dass sie eine neue Familie gefunden haben.

Kein Wunder, dass viele ihr neues Zuhause nach Ende der zehnjährigen Schulzeit nicht verlassen wollen. Sie haben die Möglichkeit, Landwirte, Bürogehilfen oder Schneider zu werden. Zwölf Jugendliche sind bereits ausgebildete Landwirte. Sie wollen ihre Fähigkeiten gerne im Dorf ein-setzen, zumal die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehr schlecht sind.

„Wir können natürlich noch mehr Mitstreiter brauchen“, wirbt Brinkhege. Wer über eine Geldspende hinaus noch etwas leisten möchte, sollte ebenfalls über ein wenig Abenteuerlust verfügen und etwas Sinnvolles machen wollen. Weitere Informationen im Internet unter www.togo-hilfe.de.