Es gibt viele Wünsche – manche werden erfüllt!

  • Ein Erlebnisbericht von Sigrid Stiering

Sigrid Stiering, Vorsitzende des Vereins Lebenschance e.V., besuchte im Dezember 2006 die Projekte in Togo. In einem Info-Brief wurden Mitglieder und Spender über die dortigen Aktivitäten unterrichtet. Hier noch einmal die wichtigsten Punkte dieses Berichtes, der einen tiefen Einblick in die Geschehnisse vor Ort gibt:

Die neue Krankenstation ist fertig

Unser kleines Waisenkinderdorf Yowokope verfügte seit einigen Jahren über ein Krankenzimmer von etwa 16 qm auf dem Gelände des Dorfes, dort wo gewohnt, gespielt und gegessen wird. Für die Verarztung der Kinder bei Verletzungen oder für das Verteilen von Medikamenten war diese Station sinnvoll und ausreichend. Schwierig war allerdings die Behandlung Schwerkranker, die Unterbringung mehrerer erkrankter Kinder oder die Hilfe bei Geburten. Des öfteren kommen Frauen aus den Dörfern, um hier ihr Kind zur Welt zu bringen. Bereits Ende 2005 hat uns der Verein Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ einen größeren Betrag für den Bau einer neuen Krankenstation außerhalb des Dorfes zur Verfügung gestellt. Der Bau verzögerte sich wegen anderer dringender Arbeiten und wegen der starken Regenfälle im Jahr 2006 immer wieder. Jetzt ist die Station fertig.
Zur Einweihung und um für den Spender eine Dokumentation zu erstellen, bin ich im Dezember nach Togo geflogen. Auf Wunsch der togoischen Behörden wurde ein gut 200 qm großes Gebäude errichtet. Wie bereits mehrfach berichtet liegt Yowokope in einer einsamen ländlichen Gegend mit kleinen einfachen Dörfern, für die es bisher keine medizinische Betreuung gab. Da lag es nahe, behördlicherseits auch an die Versorgung dieser Menschen zu denken.

Die Station besteht aus zwei etwa 50 qm großen Krankenzimmern und sechs kleineren Räumen für die Behandlung, Apotheke, Geburten und die Unterkunft des Personals. Dieses besteht zur Zeit aus unserer Krankenschwester, der zwei gut eingearbeitete und anstellige große Schülerinnen zur Hand gehen. Das Inventar muß nach und nach ergänzt werden. Ein Apothekenschrank, ein Gebärstuhl, Tische und Stühle sowie vier Betten sind bereits vorhanden.

Wir haben mit Roger, unserem Partner vor Ort, vereinbart, die Entwicklung abzuwarten, bevor weitere Anschaffungen vorgenommen werden. Wir sind gespannt, wie die Krankenstation angenommen werden wird und welche Verpflichtungen sich daraus ergeben werden. 

In Togo ist es üblich, dass die Angehörigen die Kranken versorgen, d.h. Wäsche, Körperpflege und Ernährung liegen in ihren Händen, eine finanzielle und praktische Erleichterung für uns.

Neue Zisternen müssen gebaut werden

Die Versorgung mit Trinkwasser aus Zisternen, in denen Regenwasser aufgefangen wird, hat sich bewährt. Bisher gibt es zwei große und zwei kleine Zisternen, die mit einem Dach versehen und abgeschlossen sind. Nur bestimmte, Verantwortung tragende Personen, dürfen Wasser entnehmen und verteilen. Diese Regelung besteht, um das Wasser nicht zu verunreinigen. Wir wollen die Dächer der Krankenstation und der Schule nutzen, um in den Regenzeiten das Wasser in zwei neue, noch zu bauende große Zisternen zu leiten. Diese sollen noch vor der großen Regenzeit im Sommer fertig sein.

Neue Toiletten

Ebenso notwendig ist der Bau weiterer Toiletten. Zunächst sind sechs Häuschen neben der Krankenstation geplant.

Sammlung von Kleidung, Handtüchern und Bettwäsche

Die Hoffnung, tief genug graben zu können, um auf Grundwasser zu stoßen, hat sich bisher nicht erfüllt. Die Afrikaner sind in der Lage, 30 bis 40 m tiefe Brunnen per Hand auszuheben. Das ist handwerkliche Präzisionsarbeit aber auch eine gefährliche Tätigkeit. Auf dem Gelände unseres Dorfes scheiterten die Brunnenbauer bisher regelmäßig daran, dass sie immer wieder auf Felsen stießen. Es gab drei Versuche, die bei 5 Metern, 8 Metern und 12 Metern endeten. Aufgeben wollen unsere Freunde aber noch nicht.

Neue Toiletten

Der Empfang im Waisenkinderdorf war wieder überwältigend. Die Kinder sind fröhlich, anhänglich und voller Erwartung. Ich hatte mich mit Geschenken für die 206 Kinder und die Erwachsenen abgeschleppt, aber viele Wünsche blieben offen. Es fehlt an so vielem. Auf dem Wunschzettel stehen Turnschuhe, Bälle, Jeans, Handtücher, Kleidung und viel viel mehr. Die großen Mädchen warfen begehrliche Blicke auf meinen Rock und das grüne T-Shirt. Viele fragten, ob ich noch einmal wiederkäme, wenn ja, solle ich ein Geschenk mitbringen. Was sie denn wünschten, fragte ich. Das sei egal, eben ein Geschenk, war die Antwort. Die Vorstellung dieser Kinder und auch einiger Erwachsener über unser Leistungsvermögen ist verständlicherweise nicht realistisch. Wir können ihnen nicht alle Wünsche erfüllen. Aber eine große Hilfe und Freude haben wir ihnen mit der bisher von uns gesammelten und verschickten Kleidung und dem Spielzeug bereitet. Auch Roger und Adèle schätzen die Qualität dieser Sachen und würden sich über eine weitere Unterstützung freuen. Hiermit können die afrikanischen Kleidungsstücke, die leider schnell kaputt gehen und die Secondhandsachen, die es auf den Märkten gibt, ergänzt werden.

Wir bitten daher noch einmal um Handtücher, Bettwäsche und Sommerkleidung auch für Erwachsene. Die älteren Kinder haben inzwischen die Größe von Erwachsenen. Bitte rufen Sie beim Verein Lebenschance an, wenn Sie etwas spenden wollen (Telefon 0421/513661).

Weihnachten in Yowokope

Yowokope ist ein christliches Dorf. Der bis zu drei Stunden dauernde Gottesdienst an jedem Sonntag ist der Höhepunkt der Woche. Dabei muß man natürlich berücksichtigen, dass es wenig Abwechslung gibt. Nach dem Gottesdienst gibt es ein besonderes Essen und als Nachtisch einen in Palmöl sie gebackenen Maiskuchen. Wie auch immer – der Gottesdienst ist eindrucksvoll. Zwei Chöre, einer aus kleinen Kindern bestehend, der andere ein gemischter Chor der Großen, machen schöne Musik. Trommeln und andere Rhythmusinstrumente unterstützen sie.

Weihnachten ist daher für diese Menschen der wichtigste Tag im Jahr. Es wird viel Musik gemacht und getanzt. Außer Keksen, ein wenig Schokolade und einem besonderen Essen gibt es etwas zum Anziehen. Roger und Adèle haben nämlich den größten Teil der von uns im Spätsommer übersandten Kleidung für Weihnachten aufgehoben. Einige bekommen auch eines von den Secondhand – Handtüchern, die Adèle und ich auf dem Markt gekauft haben und die billiger und von besserer Qualität sind als die neuen chinesischen, die man in Lomé kaufen kann.

Dem Wunsch der Kinder, ich möge mit ihnen feiern, wäre ich gern nachgekommen. Es wäre bestimmt ein großartiges Erlebnis gewesen.

Pläne für 2007

In diesem Jahr möchten wir alles tun, was von unserer Seite für eine Vergrößerung der Landwirtschaft und einen erfolgreichen Gemüseanbau geleistet werden kann.

Sigrid Stiering