Ein Ort der Hoffnung in Togo, Westafrika?

  • Ein Erlebnisbericht von Philine Pittner

Mein Traum, als Studentin nach Afrika zu reisen, um als Entwicklungshelferin Kinder zu unterstützen, brachte mich einen Monat nach Togo, Westafrika.Ca. 60 km von der Hauptstadt Lome entfernt liegt das Dorf Badja. Nach weiteren 10 km Fahrt durch Afrikas Steppe erstreckt sich eine 50 Hektar große Oase der Hoffnung ? das Dorf der Waisenkinder.

Vor zehn Jahren hatte der heute in Bremen lebende Togolese Roger Sodji die Idee zu einem Projekt. Es fing mit dem Kauf eines Stück Landes an. Es folgte die harte Arbeit, das Land urbar zu machen. Das war der Beginn des mühsamen Weges aus der Armut heraus. Er baute eine Schule und ein Zuhause für Waisenkinder. 1998 begann für die ersten Kinder eine Zukunft. Neben den 40 Kindern, deren Eltern wegen Aids, Hunger oder Schwäche gestorben sind und deren Dörfer zu arm sind, um diese mit zu ernähren, leben hier auch noch der Hausmeister, die „Mutter“ der Kinder und einer der drei Lehrer. Die vier Klassen der Schule werden jedoch noch von ca. 50 weiteren Kindern aus den umliegenden Dörfern besucht, da deren Familien zu arm sind, um öffentliche Schulen für ihre Kinder bezahlen zu können.

Doch es gibt auch solche Tage, an denen wir nur mitwenigen Kindern in der Schule saßen, da die ausgehungerten kleinen Körper den weiten Weg von den Dörfern zur Schule nicht immer schaffen. So blieben mir meine mitgebrachten Kekse oft im Halse stecken, da ich nur noch die durch Mangelernährung aufgeblähten Kinderbäuche sah. Mein Unvermögen, im Anblick der Kinder zu essen, hatte zur Folge, dass ich passiv wurde in Hinblick auf die schier unlösbare Aufgabe, in irgendeiner Form zu helfen. Um selbst aktiv zu werden und etwas ideelles zu hinterlassen, baute ich mit den Lehrern zusammen ein Spielgerüst mit drei Schaukeln. Es war sehr bewegend zu sehen, wie die Kinder zuerst neugierig, dann ängstlich und dann einfach glücklich waren. Die Schaukel wurde zum Symbol für Lebensfreude.

Roger Sodji, der mir beigebracht hat, dass jeder Tag mit einem reuen Lächeln beginnen kann, zeigt durch sein unglaubliches Engagement, dass er verstanden hat, was so viele seiner Landsleute nicht sehen ? mit eigener Kraft die Armut zu bekämpfen. „Man darf erst um Unterstützung bitten, wenn man selbst etwas geschafft hat“ sagt Roger Sodji, der gläubiger Christ ist, dazu. Und dieser Mann hat viel geschafft. Hilfe zur Selbsthilfe ist seine treibende Motivation. Finanziert hat er dieses Projekt bislang von seinem, aus zwölf Jahren harter Arbeit, aufgespartem Geld und vereinzelten Spenden. Roger Sodjis Traum ist es, bald alle 50 Schulkinder jeden Tag mit Essen versorgen zu können und eine richtige Schule aus Stein zu bauen. Außerdem sollen die Gebäude vergrößert werden, um noch weiteren Waisenkindern ein liebevolles Zuhause zu bieten. Sodjis größter Wunsch wäre ein besserer Trecker mit Zubehör, da der jetzige nun endgültig auseinandergefallen ist. Die restlichen 30 Hektar Land könnten so urbar gemacht werden. Diese würden dann mit Mais, Maniok und Yams bepflanzt werden ? und könnten alle Kinder satt machen. Zudem würde der zusätzliche mögliche Verkauf der Ernte die Zukunft dieses Projektes sichern und Geld einbringen.

Problematisch ist in diesem Gebiet auch die Wasserversorgung. Momentan muss man 15 km fahren, um aus einem Brunnen mit aufgefangenem Regenwasser oder einem kleinen Fluss das Trinkwasser zu holen. Während ich das kontrollierte Wasser aus Plastikflaschen trank, schlürften die Kinder aus einer Vertiefung in den Felsen das schmutzige und sandige Regenwasser. Durch eine Wasseraufbereitungsanlage oder eventuelle Filter könnten dieses Problem und die daraus resultierenden Krankheiten vermindert werden. Das Duschwasser holen die Kinder Tag für Tag in rostigen Eimern aus einem nahegelegenen Tümpel. Dieser wurde von einem Bauer angelegt, um seine Rinderherde mit Wasser zu versorgen. So besteht das Wasser aus einem Gemisch mit Rinderkot und Bakterien. Aus Infektionsgefahren musste ich mich mit ihrem Trinkwasser waschen, was mir nicht leicht fiel.

Roger Sodji hat noch viele Pläne. So möchte er auch bald eine Ausbildung zum Tischler in dem Dorf Badja anbieten, um der Zukunfts- und Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Außerdem ist ihm wichtig, dass die Kinder nach Beendigung der Schule nicht wieder in die Armut geschubst werden, sondern eine weitere Begleitung besteht. Eine Krankenstation wäre auch ein weiteres sinnvolles Projekt, da in weiter Umgebung keine existiert. Ein kleines Mädchen, dass sich den Arm gebrochen hatte, musste unter quälenden Schmerzen mit einer Kräuterpaste, die einmassiert wird, behandelt werden. Es hat jetzt einen schiefen Arm, der permanent schmerzt.

Mittlerweile ist Roger Sodji an seine finanziellen Grenzen gestoßen, weshalb er zusammen mit dem Bremer Verein Lebenschance e.V. um Hilfe bittet. Kleidung, Spielzeug oder Medikamente, die so gut, wie gar nicht vorhanden sind, wären nötig. Aber allem voran ein gebrauchter, funktionstüchtiger Trecker. Schreibmaschinen und Computer für ein weiteres Projekt Sodjis in der Hauptstadt Lome werden auch gebraucht. Hier bietet er seit vier Jahren eine kostenlose Ausbildung zur Sekretärin und zum Zollarbeiter für erwachsene Waisen an. Dies ist die einzige Möglichkeit für eine kostenlose Ausbildung in ganz Lome. Bis heute absolvierten 54 Schüler, die aus ärmsten Verhältnissen kommen, die einjährige Ausbildung mit einem Diplom. Allen wurde eine gesicherte Anstellung geboten. Geld, um mit den weiteren Plänen anzufangen und somit auch den Dorfbewohnern in Badja Arbeitsplätze zu bieten, fehlt zurzeit noch. Ziel dieses Projektes ist es, aus diesem kleinen Gebiet „einen Stern von Togo“ zu machen, wie Roger Sodji träumt. Sein Wunsch ist es, dass er viele Nachahmer bekommt und sie gemeinsam den Kindern Togos eine Chance im Leben bieten können. Und mein Wunsch ist es, dass seine Träume für ihn und die Kinder in Erfüllung gehen.Philine Pittner

(Philine Pittner ist Lehramts-Studentin und unterstützt auch weiter den Verein Lebenschance e.V.)