Bremerin hilft Kindern in Togo

 

Bärbel Netheler vom Verein „Lebenschance“ engagiert sich im Waisendorf Yovokopé

VON ISABEL D’HONE

Auf einem Foto, das Bärbel Netheler während ihrer Reise nach Togo gemacht hat, ist sie von Kindern aus dem Waisenkinderdorf Yovokopé umringt. Ein anderes Foto zeigt sie lächelnd mit einem Kind auf den Armen. Während ihrer zweiwöchigen Reise im November besuchte das Vorstandsmitglied des Vereins „Lebenschancen-Bremen“ das Projekt in einem der ärmsten Länder der Welt. Es war ihr erster Besuch dort. Immer wieder betont sie, was für ein besonderes Erlebnis diese Reise für sie war. Dabei waren sie und die Vereinsgründerin Sigrid Stiering bis kurz vor Beginn unsicher, ob sie fliegen würden: „In Togo gibt es immer wieder politische Unruhen, weil die Menschen mit dem Präsidenten unzufrieden sind. Wir haben es trotzdem gewagt.“

Ihre Ankunft beschreibt Netheler als ein „überwältigendes Gefühl“. Ihr Traum habe sich erfüllt. Alle 465 Kinder und Jugendliche begrüßten sie gemeinsam und nahmen sie sofort in die Dorfgemeinschaft auf. „Es ist für mich wie in einer großen Familie gewesen“, sagt die 57-Jährige. Ihr Wunsch ist, dass sich die Kinder, wenn sie erwachsen sind, im Dorf ansiedeln und eine eigene Familie gründen. Ein Beispiel dafür ist die heute 25-jährige Ida, die mit ihrer Tochter und ihrem Ehemann im Dorf geblieben ist. Beide arbeiten dort als Lehrer.

Die große Armut, die sie vor allem in der Hauptstadt Lomé sah, schockierte Bärbel Netheler. „Die Zustände dort sind schlimm. Wirklich schlimm.“ Sie sah Jugendliche, die den ganzen Tag am Strand saßen, weil sie nichts zu tun hatten. Einige verkauften Gürtel oder Socken, um etwas Geld für den Tag zu verdienen. Berührt hat sie daher, dass die Schüler aus der Berufsschule in Lomé jede Woche aus dem selbstangebauten Mais Essen kochen und es an arme Menschen verteilen.

Mit einer kleinen Holzhütte auf 20 Hektar Land gründete der Verein „Lebenschancen-Bremen“ gemeinsam mit dem Togoer Roger Sodji 2001 das Dorf für Waisenkinder. Mittlerweile sind es 80 Hektar. Der Name Yovokopé bedeutet „das Dorf der Weißen“. Es hegt in der Region Badja, 70 Kilometer von der Hauptstadt Lomé entfernt. Die Waisenkinder gehen mit Kindern aus umhegenden Dörfern in eine ebenfalls durch den Verein auf gebaute Schule. Dort bekommen sie auch regelmäßig zu essen und können ihr Abitur machen.

Im Dorf gibt es außerdem eine Krankenstation und eine Nähwerkstatt. „Wir möchten die Kinder vor dem Schicksal eines Straßenkindes bewahren“, sagt Netheler. „Oder vor Sklavenarbeit, was da auch nicht selten vorkommt, wenn die Kinder ohne Eltern sind.“ Außerdem möchten die Vereinsmitglieder verhindern, dass die Kinder den gefährlichen Weg nach Europa wählen müssen.

Im Verein arbeiten rund 35 Bremer und Niedersachsen zusammen, die aus Togo und Deutschland stammen. Zahlreiche Spender unterstützen das Projekt mit Mitgliedsbeiträgen, Geld- und Sachspenden. Auch wenn die Landwirtschaft der Dorfbewohner einen Großteil der Ernährung deckt, benötigen sie jeden Monat mindestens 2500 Euro, beispielsweise für die Gehälter der Lehrer, Reparaturen und Kleidung. Doch manchmal reicht das Geld nicht aus. „2016 gab es eine schlechte Ernte. Erst war zu wenig Regen, dann war zu viel Regen“, erzählt Netheler. „Dann müssen wir Nahrung dazu kaufen.“ Außerdem brauchen sie während der Regenzeit Medikamente für die vielen an Malaria erkrankten Menschen im Dorf. Unbehandelt kann die Krankheit tödlich sein.

Am letzten Abend organisierten die Kinder eine zweistündige Vorführung für die die beiden Frauen. „Das war ein unglaubliches Programm mit Tanz, Feuerspuckern, traditionellen Tänzen und Stelzenläufen“, erinnert Netheler sich. „Die Kinder haben Bilder für uns gemalt. Ich war ganz gerührt.“

Wer das Waisenkinderdorf in Togo unterstützen möchte, kann sich auf der Webseite http:// www.togo-hilfe.de/ über das Projekt informieren. Derzeit benötigen die Menschen im Dorf einen Motor für ihren Traktor („Massey Ferguson“), Stühle und Handtücher. Sachspender können sich telefonisch unter 0421/25 53 74 an Bärbel Netheler wenden.