Besuch bei Helfern

 

Die frühere Bremerin Adele Sodji hat vor Jahren in Togo ein Waisenkinderdorf gegründet / Noch heute wird sie aus Deutschland unterstützt

Adele Sodji aus Togo ist zurzeit in Bremen. Sie besucht Freunde und Spender, die das Waisenkinderdorf „Yovokopé“ in Togo unterstützen. Gemeinsam mit ihrem Mann Roger Sodji hat Adele Sodji das Dorf in der Nähe der Hauptstadt Lomé gegründet. Aus einer einfachen Holzhütte ist eine florierende Gemeinschaft für 320 Kinder entstanden.

VON KARINA SKWIRBLIES

Bremen. Vor 15 Jahren haben Adele und Roger Sodji ein Dorf für Waisenkinder in Togo gegründet. Sie fingen mit einem Stück Land an, das sie unter anderem mit ihren Ersparnissen aus Deutschland finanzierten. Heute leben in dem Dorf mit dem Namen „Yovokopé“ in der Nähe der Hauptstadt Lomé rund 320 Kinder. Sie gehen zur Schule, erhalten eine Ausbildung, genug zu essen und eine gesundheitliche Versorgung. Die Warteliste für die Aufnahme in das Waisenkinderdorf ist lang, denn in Togo leben viele Kinder, um die sich kaum einer kümmert. An einen Schulbesuch ist für viele nicht zu denken, weil das Geld fehlt.

Adele Sodji ist jetzt in Bremen zu Besuch. Zusammen mit ihrem Mann hat die gebürtige Togolesin zwölf Jahre hier gelebt, bevor das Paar mit seinen drei Kindern in die Heimat zurückkehrte. Viele Freundschaften zu Bremern sind geblieben. Beispielsweise zu Sigrid Stiering, die mit ihrem Verein „Lebenschance“ das Waisenkinderdorf seit vielen Jahren tatkräftig unterstützt.

Adele Sodji bleibt drei Wochen in Deutschland und fährt mit Sigrid Stiering außerdem zu ihrem Schwager nach Frankreich. „Wir möchten meinen Schwager und eine Gruppe von Leuten in Limoges besuchen, die das Projekt in Togo unterstützt“, erzählt Adele Sodji. Sie und ihr Mann halten engen Kontakt zu den Menschen in Europa, die für das Waisenkinderdorf Spenden sammeln. Und die kommen gern zu einem Gegenbesuch nach Togo.

Aktuell ist eine größere Anschaffung dringend nötig. „Wir haben 2012 ein großes Stück Land bekommen. Es sind 60 Hektar, und wir haben schon zwei Mal Mais geerntet. Aber wir haben nur einen alten Trecker, der immer kaputt ist. Jetzt sammeln wir Geld für einen neuen Trecker, der etwa 40 000 Euro kostet. Bis jetzt haben wir 11000 Euro zusammen.“ Ohne neuen Trecker ist das Land kaum zu bewirtschaften. Europäische Trecker sind für den harten, mit vielen Wurzeln durchsetzten Boden ungeeignet, erklärt Sigrid Stiering. „Ein Unternehmen in Lomé hat einen Trecker konstruiert, der für die Böden in Togo geeignet ist. Für so einen Trecker sammeln wir jetzt Spenden.“

Es sind inzwischen die größeren Anschaffungen, für die Adele und Roger Sodji um Spenden werben. „Wir haben jetzt 50 Dauerspender und etwa 150 unregelmäßige Spender“, berichtet Sigrid Stiering von der Arbeit ihres Vereins „ Lebenschance „Das reicht für den regelmäßigen Unterhalt der Kinder. Wenn sie größer sind, können sie eine Ausbildung machen. Im Waisenkinderdorf können sie Landwirt, Schneiderin oder Krankenschwester lernen. In einem Büro in Lomé werden viele auch zur Buchhalterin ausgebildet.“

Das Projekt ist in den Jahren immer mehr gewachsen. Die Sodjis hatten mit einer einfachen Holzhütte angefangen. Hier konnten 20 Kinder zur Schule gehen. Aus dem Schulgebäude wurde ein Waisenhaus. Und das Waisenhaus wuchs bis zu einem kleinen Dorf heran. 20 Hektar Land gehörten ursprünglich zu dem Dorf „Yovokopé“, heute sind es 60 Hektar mehr. Die Landwirtschaft, eine Krankenstation, eine Nähwerkstatt, eine Bibliothek und weitere Einrichtungen entwickelten sich. Im vergangenen Jahr habe das Dorf eine Wasseraufbereitungsanlage erhalten, erzählt Sigrid Stiering. Denn für einen funktionierenden Brunnen müsse man zu tief bohren.

„Die Kinder sind glücklich und zufrieden“, sagt Adele Sodji. Das ist für sie und ihren Mann der Antrieb, viel Arbeit und Energie in das Dorf zu stecken. Sie hofft, dass ihr ältester Sohn Sanvi in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Und der habe auch schon signalisiert, dass er fortführen möchte, was seine Eltern begonnen haben.

Sigrid Stiering freut sich auf einen Termin Ende August in Berlin. „Dann ist der Verein Lebenschance zum Bürgerfest beim Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue eingeladen. Dort dürfen wir uns mit unserer Arbeit vorstellen. Ich bin schon ganz gespannt.“

Der Verein „Lebenschance“ ist unter Telefon 5136 61 zu erreichen. Spenden auf das Konto 202 22 42 bei der Deutschen Bank (BLZ 29070024) sind immer willkommen.